Anti-Atom-Aktivistin in Haft

Eingestellt von Matthias Zimmermann On 08:34 0 Kommentare
Am Donnerstag letzter Woche, 12.5.2017,  hat die Anti-Atom-Aktivistin Hanna eine mehrwöchige Haft in Hildesheim angetreten. Weil sie sich weigert, eine wegen einer Ankettaktion gegen sie verhängte Strafe von 1650 Euro zu zahlen ist die Aktivistin nun in Haft. Hintergrund ist die Blockade eines Transportes mit abgereichertem Uranhexafluorid 2012 auf der Bahnstrecke zwischen der Urananreicherungsanlage in Gronau und Münster.

Der Haftantritt wurde von etwa 30 solidarischen Menschen begleitet, die mit zahlreichen Anti-Atom-Transparente gekommen waren. Noch bis morgen wird es eine Kundgebung vorm Knast in Hildesheim geben, auf der es die Möglichkeit gibt, direkt Postkarten zu schreiben. Auch wenn der JVA-Leiter Oliver Weßels bei der letzten Anti-Atom-Aktivistin, die wegen einer Atomtransportblockade eine Erzwingungshaft antreten sollte, das Bußgeld bezahlte, ist das dieses Mal nicht zu erwarten. Ihr dürft ihn aber gerne dazu auffordern.
Hanna begründet ihre Entscheidung; „Natürlich könnte ich die Geldstrafe auch zahlen, aber das würde die Strafe schlicht weniger sichtbar machen.

Das Landgericht Münster hatte die höchste je für Ankettaktionen verhängte Strafe beschlossen – es ist mir wichtig, dies wenigstens publik zu machen.“. Am vorliegenden Fall wird offensichtlich, dass Strafe und Einsperren weder der Gesellschaft noch den Verurteilten helfen, sondern es viel mehr um die Demonstration staatlichen Machtmonopols geht. Deshalb werden auch weiterhin Anti-Atom-Aktivist*innen gegen Polizei, Justiz, Strafe und Gefängnisse aktiv werden, welche die Durchsetzung von gesellschaftlich umstrittenen Projekten wie Atomkraft erst ermöglichen.

Hanna freut sich über solidarische Post. Sie wird vermutlich vier Wochen der Strafe in Höhe von 110 Tagessätzen absitzen – zur Bezahlung des Rests sind auch Spenden willkommen. Aktionen gegen Atomkraft, Staat, Polizei und Justiz bleiben natürlich die beste Solidarität – veröffentlicht also gerne eure Aktionen.

Weitere Infos:
http://nirgendwo.info/
http://nirgendwo.info/blog/2017/05/13/presseschau-zum-haftantritt/
http://nirgendwo.info/blog/2017/05/11/hanna-im-knast/

Adresse für Post:
Hanna Poddig
JVA Hildesheim
Godehardplatz 7
31134 Hildesheim
Spendenkonto:
Konto „Spenden & Aktionen“
IBAN DE29 5139 0000 0092 8818 06
BIC-Swift: VBMHDE5F
Betreff: Anti-Atom-Antirepression (wichtig anzugeben)

18.5.: Diskussion/Vortrag "Atomgefahren im Ostseeraum"

Eingestellt von Matthias Zimmermann On 09:29 0 Kommentare
18.5.2017, 19 Uhr in der Galerie Seepferdchen in der ALTEN MU, Lorentzendamm 6-8, 24103 Kiel:
Diskussion/Vortrag "Atomgefahren im Ostseeraum"



Die Ostsee ist infolge des minimalen Wasseraustausches mit dem Atlantik eines der am radioaktivsten belasteten Meere der Welt. Tschernobyl, Atomwaffentests und die WWA Sellafield waren die größten Verschmutzer in der Vergangenheit. Heute sind vor allem die vielen sogeannten "zivilen" Atomanalgen zur fortgesetzten Verschmutzung durch die Freisetzung großer Mengen Radionuklide verantwortlich. Mehrere Regierungen im Wassereinzugsgebiet der Ostsee wollen diese radioaktive Kontamination der Region noch verstärken, wenn sie neue Uranabbaue, Atommülllager und Reaktorprojekte vorantreiben. Bis heute waren hier mehr als 60 Atomanlagen in Betrieb, laufen noch oder sollen demnächst errichtet werden.
Das Wasser verbindet die Gesellschaften im Wassereinzugsgebiet der Ostsee und macht sie zu engen Nachbarn - selbst wenn einige von ihnen mehr als tausend Kilometer voneinander entfernt liegen. Es umfasst die Hauptflächen von sieben Ländern: Dänemark, Schweden, Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen. Russland, Deutschland und Belarus stellen weitere Gebiete des Wassereinzugsgebiets dieses Meeres. Die Ostsee ist nicht nur eine wichtige Nahrungsquelle für Millionen Menschen, sondern auch ein bedeutendes Erholungsgebiet für viele weitere - und sie ist Transportmittel für giftige Immissionen aus mehr als 60 Atomanlagen, die Schadstoffe an Luft und Wasser abgeben. Somit verbindet die Ostsee Bedürfnisse und Interessen von menschlichen Zivilisationen aus einem großen Gebiet und formt damit eine einmalige Gemeinschaft.
Die Präsentation soll das Bewusstsein für die Risiken, denen wir durch die Atomkraft rund um die Ostsee ausgesetzt sind, erhöhen. Sie wird einen Überblick liefern und bietet detailliertere Einblicke zu konkreten Anlagen. Außerdem wird ein Eindruck von den Anti-Atom-Bewegungen in der Ostsee-Region verschafft.
Eine gemeinsame Veranstaltung mit atomicbaltic.nuclear-heritage.net


http://werkstatt-utopie.de/veranstaltung/es_detail/URY99/atomgefahren-im-ostseeraum/
veröffentlicht am 02.03.2017

Am 11. März diesen Jahres jährt sich die schreckliche Atom-Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zum sechsten Mal.
Unzähligen Menschen hat dieses verheerende Ereignis das Leben gekostet, etliche mussten die Region für immer verlassen und bis heute erkranken unschuldige Menschen durch die weiterhin akute Strahlung – nicht nur bei den noch mindestens 40 Jahre andauernden Aufräumarbeiten.

Täglich werden Hunderte Tonnen Kühlwasser in die zerstörten Reaktoren geleitet, die anschließend auch ins Grundwasser gelangen und abgepumpt werden müssen, um einen Austritt ins Meer zu verhindern. Dieses Wasser wird dann in minderwertigen Tanks, die schon nach wenigen Jahren undicht werden können, auf riesigen Arealen gelagert, andere verstrahlte Materialien werden in einfachen schwarzen Müllsäcken in Wohngebieten und entlang der japanischen Küste gesammelt. Neben Platzproblemen sind Menschen tagtäglich einer unmittelbaren Strahlung ausgesetzt und ein Tsunami könnte die Müllsäcke mühelos ins Meer spülen. Dabei ist kaum absehbar, was das für Folgen hätte.

Und was machen Tepco, das Betreiberunternehmen des Atomkraftwerks, sowie die japanische Regierung? Mit allen Mitteln versuchen sie diese katastrophalen Zustände herunterzuspielen und zu vertuschen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass sich die direkten Kosten durch den Super-GAU von Fukushima auf schätzungsweise 180 Milliarden Euro summieren werden – also fast doppelt so teuer wie noch 2013 angenommen. Alle Zahlen sind nur vorläufig, indirekte Belastungen wie etwa gestiegene Gesundheitskosten sind in der Rechnung gar nicht erfasst. Die Regierung trägt diese Kosten durch Aufnahme weiterer Kredite, wobei schon heute klar ist, dass Tepco diese Gelder nie zurückzahlen wird und damit trotz jahrzehntelanger eingefahrener Profite aus der Verantwortung entlassen wird.
Die Liste der Probleme und Vertuschungen ist noch viel länger, als hier in aller Kürze darstellbar.

Und was passiert hierzulande? Acht Atomkraftwerke sind trotz mahnender Beispiele wie Fukushima oder Tschernobyl noch immer bis teils 2022 am Netz – und womöglich noch darüber hinaus. Regelmäßig finden Atomtransporte – unter anderem durch den Nord-Ostsee-Kanal – statt. Die Schiffe transportieren die gefährliche, radioaktive Fracht zwischen den Häfen St. Petersburg, Hamburg, Bremen, Antwerpen und dem Rest der Welt hin und her. Start- und Zielpunkte in der Bundesrepublik sind zum Beispiel die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen. Auch nach dem sogenannten Atomausstieg haben diese Anlagen eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Die Transporte werden also weiter fahren.

Auch der fahrlässig organisierte Rückbau bereits abgeschalteter Atomanlagen sowie die Lagerung der sogenannten freigemessenen strahlenden Abfälle auf Hausmülldeponien sind schon heute ein großes Thema und werden uns in den nächsten Jahrzehnten noch vor viele weitere Probleme stellen.

Es gibt genug Gründe, warum wir anlässlich des sechsten Jahrestages der Atom-Katastrophe von Fukushima auf die Straßen gehen müssen!
Wir, die BI Kiel gegen Atomanlagen, wollen gemeinsam mit vielen anderen mit Strahlenschutzanzügen verkleideten Menschen einen Schweigemarsch durch die Kieler Innenstadt machen.

Fukushima mahnt:
Alle Atomanlagen abschalten – sofort und weltweit! 

Treffpunkt um 15:00 Uhr: Holstenstraße (Fußgängerzone), vor der Santander-Bank
– Schweigemarsch zum Hauptbahnhof, dort wird eine Mahnwache abgehalten –
(Strahlenschutzanzüge werden vor Ort gestellt)
Ende: ca. 17:00 Uhr


[Bitte die Bilder anklicken, um eine größere Ansicht zu erhalten]
veröffentlicht am 24.02.2017

Kann die Versorgung einer Person mit Lebensmitteln strafbar sein? In bestimmten Kontexten ja, meint die Staatsanwaltschaft Hamburg, die gegen politische Opposition vorgeht. Vor dem Amtsgericht Hamburg-Harburg steht am 04.04.2017 eine Person vor Gericht, der genau dies vorgeworfen wird. Der Kontext: Im Hafen war ein Urantransport verladen worden, der dann einen Tag lang im Güterbahnhof Hamburg-Süd stand. Dort ketteten sich vor und hinter den Zug Umweltaktivist*innen an - eine davon wurde von einer anderen mit Lebensmitteln versorgt. So sollen die Straftatbestände Nötigung und Störung öffenlicher Betriebe erfüllt sein - die Versorgung mit Lebensmitteln sei ein Tatbeitrag.

Aber es ist ja bekannt: Wenn es darum geht, politisch missliebige direkte Interventionen zu verfolgen, werden Gerichte gerne mal kreativ. Aber egal wie willkürlich die Vorwürfe sind, wichtig ist es, solidarisch zu handeln. Deshalb kommt vorbei, beteiligt euch an der Soli-Fax-und-Anruf-Aktion oder macht andere Soli-Aktionen um dem Gericht zu zeigen - es ist uns nicht egal ,wie sie urteilen. Aber es wird uns auch nicht davon abhalten, für eine Welt zu streiten, in der Atomanlagen nicht möglich sind.

Prozesstermin: Dienstag, 4. April 2017, 11:00 Uhr, Amtsgericht Hamburg-Harburg

Wir treffen uns um 10:00 Uhr vor dem Gericht - bringt etwas zum gegenseitigen Füttern mit!

Hintergrund zur Aktion und den dazu laufenden Verfahren:
http://nirgendwo.info/hamburg/#Uranzugblockade
www.urantransport.de
veröffentlicht am 02.02.2017



Am 18. und 19. Februar 2017 erkunden wir die Atomtransporte-Strecke von Kiel nach Frankreich

Fahrt mit uns mit!

Der sogenannte Atomausstieg ist beschlossen – Atompolitik kein Thema mehr? Dennoch fahren täglich Atomtransporte quer durch die Welt um die Atomindustrie mit neuem Brennstoff zu versorgen. Uran wird abgebaut, umgewandelt, angereichert, in Brennelemente gepresst, zu Atomkraftwerken transportiert. Diese Transporte sind Lebensader und zugleich Achillesferse der Atomindustrie – ohne Atomtransporte könnten Atomkraftwerke nicht laufen. Weil wir einen weltweiten, sofortigen Atomausstieg wollen, rufen wir zu Streckenaktionstagen am 18. und 19. Februar 2017 auf. Wir werden einer Atomtransport-Strecke mit Regionalzügen folgen und die Reisenden auf Versorgungstransporte und Anlagen der Atomindustrie, die trotz „Atomausstieg“ unbefristet weiter laufen, aufmerksam machen. Wir werden in Kiel starten und bis nach Trier weiter fahren.  Die Reise führt über Hamburg, Bremen, Osnabrück, Münster, Hagen, Köln, Bonn, Koblenz und Trier. Es ist möglich unterwegs zuzusteigen.

Uranerzkonzentrat

Konkret geht es bei unserem jetzigen Protestaufruf um Transporte von Uranerzkonzentrat, auch bekannt als „Yellow Cake“. Diese Transporte werden regelmäßig im Hamburger Hafen verladen und fahren dann per Zug weiter quer durch Deutschland und Frankreich nach Narbonne, inklusive radioaktiver Strahlung und entsprechender Gefährdung. Das Uranerzkonzentrat kommt auf Schiffen aus Namibia über den Atlantik oder aus Usbekistan, Kasachstan oder Russland über den Nord-Ostsee-Kanal nach Hamburg.

Zerstörungen durch Uranabbau

Das Uranerzkonzentrat ist der Stoff, der beim Auswaschen von uranhaltigem Gestein in den Abbaugebieten produziert wird. Der Abbau von Uran geht einher mit großen Umweltzerstörungen, meist verbunden mit Menschenrechtsverletzungen. Die gigantischen Mengen an radioaktivem Abraum, die beim Tagebau entstehen, lagern beispielsweise in Namibia unter freiem Himmel, der Staub weht weg und sorgt für radioaktive Verseuchung und entsprechende Gesundheitsschäden rund um die Abbaugebiete. Die beim Auswaschen des Urans benötigten Wassermengen fehlen an anderer Stelle als Trinkwasser. In anderen Ländern wie z.B. Kasachstan wird zur Uranförderung eine Fracking-Methode verwendet, bei der das Uran in Schwefelsäure gelöst aus den Gesteinsschichten heraus gepresst wird. Umweltzerstörungen überall auf der Welt dienen also dazu, dass reiche Länder sich auf Kosten der anderen mit Energie versorgen.

Konversionsanlage in Narbonne

Das Ziel der Transporte ist die Anlage von AREVA in Narbonne Malvési in Südfrankreich. Dort wird das Uran in Urantetrafluorid konvertiert, nach Pierrelatte verfrachtet und dort in Uranhexafluorid umgewandelt. Bei der Verarbeitung und Umwandlung des Urans entstehen große Mengen flüssiger und halb flüssiger giftiger schwach strahlender Abfälle, die nun seit über 60 Jahren kontinuierlich in über ca. 30 Hektar große Abklingbecken geleitet werden. 2004 brach bereits ein Damm der Becken und radioaktiver Schlamm lief aus. Auch diese Anlage ist also alles andere als sicher.

Nach der Konvertierung wird das Uranhexafluorid zum Beispiel in der Urananreicherungsanlage in Gronau (Westfalen) angereichert und wieder exportiert oder in Lingen (Emsland) zu Brennelementen verarbeitet. Beide Anlagen haben eine unbefristete Betriebsgenehmigung und eine Stilllegung ist nicht in Sicht – auch hier kein Atomausstieg!

Die Aktionstage

Wir werden mit der Regionalbahn fahren. Wir wollen Informationen zu Atomtransporten an der Strecke unter die Menschen bringen. Fahrt mit uns mit! Bringt Verkleidung, Modell-Atomtransporte und andere kreative Dinge zur unterhaltsamen Gestaltung des Aktionstages mit!

Wir fahren voraussichtlich am Samstag, den 18.2. um 7:21 in Kiel ab und kommen um 21.30 in Trier an. Am Hauptbahnhof von Trier werden am 19.2. um 9 Uhr „Yellow Cake“ und die Teile der französischen Baustelle für ein atomares Endlager in Bure zwischen den zwei Gruppen ausgetauscht, die sich danach trennen und wieder nach Frankreich  bzw. zur Urananreicherungsanlage in Gronau fahren um dort die symbolische Urantransport-Fahrt abzuschließen. Diese Anlage wird regelmäßig aus Frankreich versorgt, es gibt zudem einen regen Atommüll-Verkehr zwischen Gronau und Pierrelatte.  Ankunft in Gronau wird voraussichtlich um 17.04 sein, dann gibt es dort einen kleinen Abschluss. Zustieg unterwegs ist immer möglich. Zum genauen Fahrplan geht es hier.

Die Teile der Baustelle für ein atomares Endlager in Bure stehen für den Widerstand gegen die Produktion von Atommüll und die tief-geologische Einlagerung von Atommüll. Die Bauarbeiten für das französische Atommülllager in Bure, ca. 120 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, begannen im Sommer 2016 und scheiterten ein erstes Mal am Widerstand von Atomkraftgegner*innen.  Am 18. Februar – zeitgleich zur Aktionsfahrt – findet dort eine große Demonstration statt, weil mit einer baldigen Wiederaufnahme der Bauarbeiten gerechnet wird. Die Aktionsfahrt gegen Urantransporte steht als solidarische Aktion in diesem Zusammenhang: Atommüll verhindern, bevor er entsteht. Darum müssen die Versorgungstransporte der Atomindustrie ein Ende finden.

In Trier gibt es Übernachtungsplätze. Meldet euch bei Bedarf!

Infos zum Verlauf und eventuellen Fahrplanänderungen gibt es dann live auf dem Transportticker: https://twitter.com/urantransport

Für Hintergrundinformationen schaut euch hier auf der Seite um. Einzelheiten zur geplanten Aktionsfahrt findet ihr bald hier auf dieser Seite.

Wir freuen uns, wenn ihr mitmacht! Bei Interesse und Fragen meldet euch bei kontakt(ät)urantransport(punkt)de, damit wir besser planen können.

Weiterführende Informationen zu den Aktionstagen (Stand 21.02.2017):
- Bericht der Aktionsfahrt
- Fotoimpressionen vom ersten Aktionstag
- Fotoimpressionen vom zweiten Aktionstag
veröffentlicht am 30.10.2016



Mit einer überregionalen Demonstration am Atomstandort Lingen - an der auch wir als BI Kiel gegen Atomanlagen teilnahmen - haben rund 700 Menschen am Samstag, 29. Oktober, ein deutliches Zeichen für die Notwendigkeit eines umfassenden und sofortigen Atomausstiegs gesetzt. Die Demonstration stand unter dem Motto: „Atomkraftwerken den Saft abdrehen! Brennstoffversorgung aus Lingen und Gronau stoppen!“
Von der Bundesregierung sowie den Landesregierungen in Niedersachsen und NRW forderten die beteiligten Initiativen und Verbände u. a. die sofortige Stilllegung der niedersächsischen Atomkraftwerke Lingen und Grohnde sowie der Brennelementefabrik Lingen (Niedersachsen) und der Urananreicherungsanlage Gronau (NRW).
Bei der Demonstration in Lingen kamen neben Rednerinnen und Rednern aus den Regionen Emsland, Münsterland und Wendland auch Mitglieder von Anti-Atomkraft-Organisationen aus Belgien und Frankreich zu Wort, die vom Brennelemente-Export aus Lingen besonders stark betroffen sind. Den weitesten Weg hatte ein Kundgebungsredner aus Russland.

Uranfabriken in Gronau und Lingen sofort stilllegen!
Mit der Demonstration in Lingen hat die Anti-Atomkraft-Bewegung die internationale Bedeutung der Atomstandorte Lingen und Gronau, die beide nur ca. 40 Kilometer voneinander entfernt sind, in den öffentlichen Fokus gerückt. Verknüpft werden beide Standorte durch gefährliche Atomtransporte. Die Urananreicherungsanlage in Gronau gehört zum Urenco-Konzern und produziert angereichertes Uran, das international in Brennelementefabriken und Atomkraftwerken zum Einsatz kommt. In der Lingener Brennelementefabrik des französischen Atomkonzerns Areva werden Brennelemente für belgische und französische Schrottreaktoren hergestellt.
Im Aufruf zur Teilnahme an der Demonstration hieß es: „Während die verbleibenden 8 deutschen Atomkraftwerkebis Ende 2022 abgeschaltet werden sollen, bleibt die nukleare Infrastruktur unangetastet. Sowohl die Brennelementefabrik in Lingen (Niedersachsen) als auch die Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW) verfügen weiterhin über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Beide Uranfabriken versorgen Atommeiler in aller Welt mit Brennstoff, so auch die besonders maroden Meiler Tihange, Doel, Fessenheim und Cattenom.“
Die Anti-Atomkraft-Bewegung drängt darauf, die Ausfuhr nuklearer Brennstoffe von Gronau und Lingen an die maroden AKW in Belgien und Frankreich sofort zu unterbinden. Dieser Exportstopp ist – laut einem Gutachten der IPPNW – rechtssicher möglich. Die Anti-Atomkraft-Bewegung fordert zudem, dass die Uranfabriken in Lingen und Gronau in den Atomausstieg einbezogen und sofort stillgelegt werden. Die Forderung nach Stilllegung der beiden Anlagen wird seit diesem Jahr auch von den Umweltministerinnen und Umweltministern aller Bundesländer erhoben.

Reaktorkatastrophe in Lingen, Doel oder Fessenheim hätte verheerende Konsequenzen
Der„Trägerkreis Lingen-Demonstration 29.10.2016“, der die Demonstration organisiert hat, ist darüber erfreut, dass am Samstag besorgte Menschen aus Lingen und Umgebung gemeinsam mit Menschen aus anderen Regionen auf die Straße gegangen sind. Die Gefahren, die von den Atomanlagen in Lingen und anderswo ausgehen, sind nicht auf einen Ort beschränkt. Eine Reaktorkatastrophe in Lingen, Doel oder Fessenheim hätte in weiten Teilen Europas verheerende Konsequenzen. Dies verdeutlicht auch das in den letzten Tagen veröffentlichte Gutachten zu den möglichen Folgen eines Super-GAUs im belgischen AKW Tihange. Radioaktivität kennt keine Grenzen - und der internationale Widerstand gegen die Atomindustrie und das Engagement für erneuerbare Energien und nachhaltige Arbeitsplätze auch nicht.

Umfassende Informationen zur Anti-Atomkraft-Demonstration in Lingen finden sich unter www.lingen-demo.de.

Quelle: Auszug - Pressemitteilung: Trägerkreis Lingen-Demonstration 29.10.2016
veröffentlicht am 22.05.2016



Am gestrigen Freitag fuhr erneut ein Atomtransport durch die Schleuse in Kiel-Holtenau in den Nord-Ostsee-Kanal. Das Schiff „Kapitan Yakovlev“ wird am Samstag früh in Hamburg am Burchardkai erwartet. In der Vergangenheit transportierte es regelmäßig radioaktives Material zur Herstellung von Brennelementen aus Russland nach Hamburg.
Atomkraftgegner*innen verteilten am Tiessenkai in Kiel Aufklärungsflyer über die gefährlichen Transporte.

„Das Wissen über die Atomtransporte hier durch den Kanal wird zwar mehr, ist aber immer noch bei vielen nicht angekommen – deshalb verteilen wir hier immer wieder Infomaterialien zu den Atomtransporten“, erklärte Marlene aus der BI Kiel gegen Atomanlagen. „Die Menschen sind oft überrascht über die Atomtransporte vor ihrer Nase.“

Die BI Kiel gegen Atomanlagen kämpft für den sofortigen weltweiten Atomausstieg. Um dies zu erreichen, ist ein Stopp aller Atomtransporte notwendig. „Den Atomausstieg weiter vorantreiben und die Gefahren der Atomkraft bekämpfen, können wir vor unserer Haustür – mit einem Stopp der Atomtransporte auf dem Kanal“, forderte eine weitere Teilnehmerin beim Flyer verteilen auf.